22. Mai 2014

Tourtester: 27.000 Schritte

Die Wanderführerin hatte sich ein paar Seiten aus einem Wanderführerbuch geraubkopiert und wollte eine Tour testen, die dort mehr schlecht als recht beschrieben war. Das Buch war ähnlich geschrieben, wie die Wanderanleitungen vom ADAC. Standard des Artikels:

Wir laufen jetzt 20 Minuten bis zum Strommast, gehen dann aber nicht rechts und nicht links, sondern den Weg zwischen dem Schilf hindurch.

So erklärt der Berliner Ortsfremden auch den Verkehr. Sie fahren jetzt 15 Minuten in die Richtung und steigen dann um.

Egal. Der Wanderfreund war entzückt, als zwei nette Damen ihre mitgebrachten Sonnenschirme aufspannten. Endlich, so teilte er ihnen mit, gehe sein Herzenswunsch in Erfüllung und ihm werde der Schweiß anstrengenden Fotografierens von zwei Damen gemildert, indem sie ihn mit kühlendem Schatten versorgen.

Flugs verfinsterten sich die Gesichter der Damen synchron und stellvertretend antwortete eine, daß man das gleich wieder vergessen könne, da es sich um Egoistenschirme ausschließlich für die persönliche Schattierung handele. Ein Schwall bayrischer Schimpfworte folgte, der mit Tegernseedialekt kommentiert wurde, was einen weiteren Schwall an Belehrungen nach sich zog. Und eine kleine Sprachlektion. Chiemsee. Gesprochen wie Chermsee. Ch wie in cholodno, auch nicht Schiemsee. Cherm, ähnlich wie Charme.

10 Stunden später haben sich die fechen bayrischen Damen ganz artig bedankt. Hat viel Spaß gemacht, war ihre Gesamtnote.

Los ging es mit der Bemerkung "Das gibt heute Abend pralle Waderln."

Stimmt.

Die Tour war eine Art Masca-Ersatz im Norden, falls es im Teno-Gebirge mal nicht geht. Masca ist allerdings zumindest runterwärts deutlich anspruchsvoller. Das Barranco Ruiz bei Las Aguas wurde von fast unten nach ganz oben, dann ganz runter und wieder etwas hoch bewältigt. Die Schritte gehörten einem der fechen bayrischen Maderls, was wir großzügig auf 13 Kilometer runterrechnen. Höhenmeter werden es um die 600 gewesen sein. 440 vom Start bis ganz hoch auf 560, zwischendurch immer wieder mal kleine An- und Abstiege, und am Ende nochmal die 120 Meter von Las Aguas Restaurante, in das heute aber nicht eingekehrt wurde, zurück zum Start. Am Schluß war dann auch klar, daß die Tour, so wie sie stattfand, nichts ist, da der im Buch des Wanderführers besprochene Vorschlag Mist ist.

Hoch und runter, nur runter, oder halbe Strecke runter im spannendsten Teil der Strecke, das sind die drei Möglichkeiten, mit der eine kanarische Wanderführerin zukünftig Geld zu verdienen gedenkt. Für die Tester der Strecke gab's physische Erschöpfung zum halben Preis.