30. März 2012

Beleidigung vom Blogger - wegen des Urheberrechts

Schwarz-Gelb will Datenschutz und Urheberrecht ans Netz anpassen (heise)

Ein Blogger ist beleidigt. Wegen des Urheberrechts.

Kürzlich meldete sich ein exzentrischer Hobbymusiker zu Wort und vertrat die Auffassung, er habe von seinem Hobby leben können zu müssen. Da warte ich glattweg auf die Frauen bei Schlecker, die die vollkommen irrige Meinung vertreten, sie müßten durch das Kassieren für Seife, Babyöl, Zahnpasta und Nahrungsergänzungsmitteln leben können.

Gestern fand dies seine Fortsetzung, indem das Schriftprekariat einen nur mit Mühen lesbaren Text veröffentlichte, in dem sie die Auffassung vertraten, sie müßten davon leben können, Worte zu Papier zu bringen. Die ganze Diskussion um das Urheberrecht sei falsch (Zeit).

Dabei gehe es ihnen um ein Leistungsschutzrecht. Nehmen wird dies Wortungetüm mal auseinander. Da es dem Klang nach dem letzten Hauch eines Verblichenen ähnelt, bleibt nur die Leichenschau. Seziermesser raus und nachschauen, ob Übles im Konstrukt enthalten ist.

Irgendjemand meinte, aus den drei deutschen Worten Leistung, Schutz und Recht etwas Neues kreieren zu müssen, das wohlfeil klingt und somit guten Anklang hat. Deutsches Recht? Leider nur bedingt, wie jeder weiß, der damit mal selbst konfrontiert war. Deutsches recht ist nichts, worauf man zwingenderweise ein Hohelied singen muß.

Schutz erinnert mich an Schutzhaft. Das stinkt meilenweit gammelig, erst recht, wenn man genauer hinschaut. 51 Persönchen klagen den Schutz durch den Staat ein. Lächerlich.

Letztlich haben sie in dem Ungetüm noch die Leistung untergebracht. Daran hapert es. Erheblich. Welche Leistung, so frage ich mich, steckt in einen Drehbuch für den Tatort?

Machen wir es konkret. Ich selber habe den letzten Tatort so ca. um die Jahrtausendwende gesehen und dann die Notbremse gezogen, weil er schon damals unterirdisch, schlecht geschauspielert und noch schlechter gedrehbucht war. Die Entscheidung dabei ist simpel. Was fange ich Woche für Woche mit 90 Minuten Restlebenszeit an? Widme ich diese einem Tatort oder einem Zeitvertreib, der mir was bringt?

Haarsträubenden Unsinn, so habe ich schon damals festgestellt, kann ich für mich selber viel besser organisieren. Dafür brauche ich weder die Drehbuchautoren noch die Kasperköppe, die nach Anweisung der Regie seltsame Sätze vor der Kamera von sich geben.

Ergo hatte sich das Thema Tatort schon damals für mich erledigt, weil die für mich erkennbare Leistung identisch gleich Null war. Die kam in einem Tatort nicht mehr vor.

Eigentlich wollte ich was ganz anderes schreiben, die kleine Vorrede sei als unmaßgeblicher Beitrag eines Bloggers in die öffentliche Debatte eingeführt.

So, ich zitiere jetzt einfach mal die mir vorliegende Schmier­zettel­samm­lung, ohne sie zu einem fertigen Drehbuch für eine Urheber­rechts­doku­mentation auszuwalzen. Seit Monaten habe ich die Rückseiten wertlos gewordener Kassenbons mit Stichworten befüllt, die in etwa so gehen:

- Das Urheberrecht ist ein Verwertungsindustrierecht, ein Relikt des vorigen Jahrhunderts.

- Die GEMA ist definitiv kein Sozialhilfeverein für mittellose Künstler. (Das steht auf einem Bon von "Ihr Platz", einer Tochter von Schlecker.)

- Massiver Mißbrauch des Urheberrechts zum zwecke des Gelderwerbs statt fachlich fundierter Tätigkeit. Das bezieht sich auf die Textbaustein-Anwälte, die ihr Jurastudium gerade so bestanden haben und nichts anderes können.

- Kein fair use.

Eigentlich ist der Blogger wegen etwas anderem beleidigt. Er darf auf Grund des geltenden Urheberrechts seinen Blog nicht so betreiben, wie es schnödem wissenschaftlichen Standard entspricht. Mit Zitaten und korrekten Verweisen.

Hier geht es nicht darum, ganze Beiträge für sich zu vereinnahmen*, weil sie von Anfang bis Ende möglicherweise die eigene Intention wieder­geben. Das wurde im Blog nie bis außerordentlich selten gemacht. Nunja, bei um die 8000 Beiträgen kann es schon einen Beitrag geben, der eine vollständige Übernahme fremder Inhalte ist. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei großzügig gerechneten 1 Promille, eher deutlich darunter.

Um was, fragt ihr euch, wenn es nicht um Komplettübernahmen geht, um was geht es dann? Hier stehen doch ein Haufen Zitate im Blog, die, bis auf die Hamburger Hetzpostille, auch korrekt verlinkt sind. Ist doch alles im Grünen.

Das meine ich nicht. Ich meine, daß es im Jahre 2012 möglich sein muß, einen Schriftbeitrag durch Zitate aus Filmen und Musikwerken belegen zu können, oder daß es möglich sein muß, sich an solchen Zitaten abzuarbeiten. Wir leben schließlich im Multimediazeitalter.

Will heißen, wenn schon jeder Bürger die Verblödungssteuer abdrücken muß, dann ist es recht und billig, da ja die Urheber gelöhnt worden sind, sich in den Ergebnissen der Verblödung zitatmäßig zu bedienen. Nicht, indem man sich hinsetzt und einen Filmbeitrag mühevoll vertextet, sondern indem man diesen Beitrag als Filmschnipsel zitiert.

Demnächst mehr aus dem Beleidigunsgtheater und meiner Notiz­samm­lung.
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* siehe auch: wie sich Zettel mal beschwerte

Ich bin ja mit Zettel selten bis gar nicht einer Wellenlänge. In diesem Falle schon.

Die Auflösung, warum das so ist, erfolgt im nächsten Beleidigungstheater.