20. August 2015

Streisand-Effekt nun auch in der TAZ

Wenn ich es recht verstanden habe, dann verbreiten sich Dummheiten über die Internetkabel besonders schnell und überall hin.

taz.de 19.8.2015
Die Pille für weibliche Lust

Gleitgel fürs Gehirn

Lea Streisand

Der Punkt ist, es funktioniert nicht mal! 15 Prozent der Frauen, die das Zeug geschluckt haben, hatten einmal mehr Sex im Monat als die Vergleichsgruppe. 15 Prozent! Einmal im Monat! Bei täglicher Einnahme!


Genau das ist nicht der Punkt. Sowas kommt eben, wenn man an Bildung spart und den Schriftstellern beibringt, daß der durchschnittliche Ernteertrag von Kartoffeln je Hektar Rückschlüsse auf das weibliche Lustempfinden unter Berücksichtung des Klimawandels und bereits eingegenderter Rechenfehler zuläßt. Statistikstuß als Medienmuß.

Es geht nicht um einmal oder zweimal die Woch', im Monat oder wie oft auch immer. Es geht auch nicht um mehr. Es geht schlichtweg darum, daß die Frauen, die wollen, doch mangels irgendwas keine Lust dafür und dabei entwickeln, daß diesen Frauen geholfen wird, daß sie die Nummern, die sie wollen, auch lustvoll erleben.

Oder, um das im Text genutzte Beispiel zu nutzen. Auch wenn Streisand fest daran glaubt, Antidepressiva seien geeignet, so sie von allen Menschen eingeworfen werden, aus dem Planeten Erde einen Hort purer Lebenslust und herzallerliebster Menschen zu machen. Dem ist nicht so.

Bei Antidepressiva geht es darum, daß Menschen geholfen wird, ihre depressiven Lebensmomente zu dämpfen oder stark abzumildern, ihnen wieder Lust am Leben zu vermitteln. Das gilt eben nicht für alle Menschen, nicht mal für alle Depressiven, sondern für die, die das wollen, und denen es nützt. Der Punkt bei den Antideprissiva ist leider, daß sie nicht funktionieren. Bei 15% haben sie schwere Nebenwirkungen, schlagen nicht an oder verstärken die Symptome.

Aus dieser Sicht ist es angebracht, daß einige Nachwuchsschriftsteller im deutschen Blätterwald eine Klinikpackung von Gleitgel fürs Gehirn ordern, um wieder fluffige Gedanken ausbrüten zu können.

That's all for today, goodbye.
Diana Loeser