8. Juni 2018

Die Toten Hosen Waldbühne: ganz viel Laune in Natur


T-Shirt: standesgemäße Oberbekleidung für den Laune der Natur Gig

Geil  +++ Geil  +++  Geil

Mensch war das geil, was Die Toten Hosen gestern Abend auf der Berliner Waldbühne abgeliefert haben.

Das Wetter war launig, nicht launisch, absolut angemessene sommerliche Temperaturen, die Band war launig, das Publikum auch. Alles paßte und so wurde es ein Abend mit ganz viel Laune in Natur. Mehr geht nur noch woanders mit jemand anders.

Pünktlich um 18:30 kündigte Andi die Donots an, deren Aufgabe als Vorband darin bestand, den Soundcheck durchzuführen. War gar nicht mehr nötig, denn die Band ist seit Jahrzehnten für ihren gradlinigen Stampf-Punk bekannt. Schnörkellose Hammerbeats, die das weite und hohe Halbrund auf das einstimmten, was folgen sollte.



Lauter als Bomben waren sie nicht. Dafür hatte der Sänger seine Mutti mitgebracht. Offenbar haben sie noch nie an einem Krieg teilgenommen oder ein Bombodrom besucht, dann wüßten sie das. Aber laut genug war es. Und sauber klang es, zumindest da, wo ich saß.

Dann kam der Umbau. Dann kamen die Ramones mit ihrem Blitzkrig Bop von CD. Ich hatte die gestern nicht umsonst verlinkt, denn das ist das Signal, daß der akustische Blitzkrieg, der Krawallangriff auf die Ohren der Zuhörer sogleich eröffnet wird. Da war es aber erst Dreiviertelacht. Kurz noch ein Soundschnipsel von der Anfield-Road, dann krawallten sich Die Toten Hosen und Gäste in den gut zweistündigen Reigen der so beliebten deutschen Volksmusik. Genau 33 Lieder zählte die Setlist.

Die Zuhörer erhoben sich von ihren Plätzen und absolvierten den Rest des Abends im Stehen. So viel Anstand und Achtung für den Düsseldorfer Musikanten hatten sie dann schon.

Der Klang war bombastisch, im Donotschen Sinne, allerdings mit nochmal einer Schippe Strom draufgelegt. Die Lieder kamen sauber und mit enormen Schalldruck aus den Tontürmen. Da ich kurz vor der Delay Line auf Höhe der Oberkante der Tontürme saß, hatte ich auch keinen Matschklang zu erwarten. Vor allem wenn Vom Richie an seiner Schießbude seine Soli rasuhaute, kam das so knochentrocken und wuchtig, daß ich hin und wieder Deckung hinter der vor mir stehenden Front an Klatschern nahm, um nicht einen halben Meter nach hinten geschleudert zu werden.



Die ersten 20 Titel wurden binnen 75 Minuten in einem Rutsch durchgezogen, was sowohl der Band als auch dem Auditorium einiges an Fitness abverlangte, denn es wurde fleißig mitgehottet. Aber dazu waren ja alle gekommen.

Es ist völlig müßig, irgendwas aus dem Angebot herauszuheben, dafür war die Gesamtleistung viel zu stark. Aber Hier kommt Alex, ein Eisgekühlter Bommerlunder und der Abgang mit T.N.T., Konfetti-Tage wie diese und You'll Never Walk Alone, das war dann doch etwas abgehobener als all die anderen Stücke. Selbst die wurden jenseits von Gut und Böse dargeboten.

Die Toten Hosen hatten sich Gäste mitgebracht, das Michail-Gorbatschow-Gedächtnis-Streichquartett aus Düsseldorf und Esther Kim an der Klaviatur. Das wär's ja gewesen, wenn die Esther bei Alex nochmal ihr legendäres Intro abgeliefert hatte, mit dem sie bei der Erstaufführung im Burgtheater zu Wien im Jahre 2005 zuerst für absolute Stille und dann, nachdem das Publikum es kapierte hatte, für rasende Beifallsstürme abgefeiert wurde, obwohl Campino vor dem Konzert höchstselbst in einer Rede um Contenance bat, da das Teil für den Fernseher aufgezeichnet werden sollte.

Gestern waren ja auch vier Kameras im Einsatz. Ob die nur der Leinwandbespielung oder auch der BluRay-Erstellung dienlich waren, entzieht sich meiner Kenntnis.

T.N.T. war deswegen herausragend, weil einer der russischen Geigisten eine Bon Scott ungefähr ähnelnde Stimmlage imitieren konnte. Das Publikum trarate das seinige dazu. Bei ACDC wäre es nur unwesentlich besser erklungen.


Original Fortuna-Konfetti aus der Tage wie diese Konfetti Kanone

Tage wie diese wurde dahingehend angekündigt, daß etliche Lieder gefehlt haben, dieses, jenes, das über die Politiker usw. Aber das, das jetzt kommt, das kann er der Waldbühne nicht ersparen. Anders ginge ja auch der Konfetti-Regen gar nicht.

Campino: Den Ramos kriegen wir auch noch.

You'll Never Walk Alone

Um 22:03 Uhr frug er bei sachkundigem Publikum nach der Uhrzeit. Da es da kurz vor 22 Uhr war, blieben noch drei Minuten Zeit für Verschwende deine Zeit.

Ich habe meine Zeit selten besser verschwendet.

Warum es so geil war? Weil es 2 Stunden und 15 Minuten Musik war, nichts weiter als Musik, Musik, Musik. Krawall, Krawall, Krawall. Ohne blödes Gequatsche. Auf der Waldbühne. Mit den Toten Hosen. Mit einer sensationellen Spiellaune in der Natur.

Ja, natürlich spielte der Freibadbesuch eine Rolle. Campino darf das. In Berlin. Im Freibad des Olympiaparks.

Ein zweiter Fernsehbericht. Da bis 18 min. vorspulen.

update 15:25 Uhr
Waldbühne bleibt leer

Hörsturz! Tote Hosen müssen Freitags-Konzert in Berlin absagen

„Leider müssen wir Euch mitteilen, dass bei Campino heute Morgen ein Hörsturz diagnostiziert worden ist. Auf Anweisung der Ärzte müssen wir daher schweren Herzens den Auftritt heute Abend in der Berliner Waldbühne absagen“, teilte die Band auf ihrer Facebook-Seite mit.