4. August 2020

Risikoabschätzung



Ich hatte ja bereits erwähnt, daß es zur Grundausstattung jedes Menschen gehört, das Risiko einer Lebenssituation einzuschätzen und daraus zu folgern, wo und wie man sich die Grenzen seines Verhaltens setzt.

Maxl muß da derzeit auch durch, da ich ihm eine Aufgabe zur Risiko­abschätzung und Verhaltensänderung gestellt habe, die sein klitzekleines Hirn schon auf Höchstlast beansprucht, da nichts einfacher für ihn ist, als eingetretene Pfade zu gehen. Fliegen kann er ja nicht.

Da er öfter mal einen Absturz macht, kam ich auf die Idee, ungefähr auf der Hälfte des Käfigs ein Netz einzufädeln, das die Sturzhöhe auf 2 bis 3 cm eingrenzt. Mir wäre ein großzügig selbst zusammenstöpselbares Plastik­teil mit großen Löchern lieb gewesen, so die Art Duschmatten zum basteln, die man sich früher aus 20x20cm großen Quadraten bastelte. Der nächste Baumarkt ist viel zu weit. Aber in einem Tierbedarfshändlerladen fand ich dann Lüftungsgitter für das Auto, mit denen man Hunde und Katzen und Kaninchen und Hamster am Rauskraxeln hindert. Die lassen sich wie eine Ziehharmonike in die gewünschte Länge zerren und paßten wunderbar. 2 Stück waren notwendig.

Daß Maxl meint, das Zeugs sei des Teufels, war mir natürlich klar. Er soll aber auch lernen, sich den köperlich anstrengenden Seitenwechsel im Käfig auf höchste bequeme Art zu bewerkstelligen. Nun bekommt er also seine Möhre mitten in den Käfig gehängt, also das Bündel Gras, denn da muß er das Gitter betreten, um an die Leckerli ranzukommen. Auf diesem Wege wird er merken, daß das risikofrei ist, er nicht abstürzt und auch drauf rumturnen kann, statt die alten Wege zu gehen, die er schon tausende Male ging. Deswegen lebt er ja noch, weil sich diese Erfahrung tief in sein Hirn eingeprägt hat, das sichere Terrain nicht zu verlassen.

Hans Hofmann-Reinecke
Das Verhalten gegenüber Risiken bestimmt ganz wesentlich unseren Charakter und den Verlauf unseres Lebens. Manche halten es für zu gefährlich, ein Flugzeug zu besteigen, andere, eine Rede zu halten.

Ratlosigkeit gegenüber Risiken erzeugt ein Gefühl, dass als Angst bezeichnet wird. Das Schüren dieser Angst durch verzerrte Darstellung von Risiken ist probates Mittel der Politik.

Die Arznei war nutzlos und schädlicher als die Krankheit. Unter dieser Überschrift wird Angela Merkels gesamtes Wirken in die Geschichts­bücher eingehen.