Gimmicks, die kein Mensch braucht, und die trotzdem toll sind.Niemand braucht die Shokz Openfit Pro, wenn er ausreichend gute Kopfhörer hat, die deutlich besser drauf sind, als diese kleinen Knubbel. Aber gut, sie zu haben.
Der Testparkour war einfach. Eine große Runde S- und U-Bahn durch Berlin fahren. Shokz und das Prinzip, seinen Lieblingsmucken offenen Ohrs zu lauschen, war bereits mehrfach Thema im Blog.
Nun gibt es ein Update der Soundtüftler, das richtig ins Geld geht, in diesem Sinne kein Gimmick ist. Gäbe man dieses für Noisecancler der Overear-Klasse aus, man wäre im siebenten Klanghimmel und kämme da nie wieder runter.
Gegenüber vorherigen Modellen gibt es marginale Änderungen, die es in sich haben. Da ist zum einen der Titanbügel, der den Geräten einen besseren Halt im Ohr verleiht, auch bei Brillenträgern, die ohne Bedenken zugreifen können.
Und da ist die implementierte Noicecancel-Funktion aka Geräuschunterdrückung bzw. das Wegrechnen störender Geräusche.
Ist diese eingeschaltet, werkelt sie im Standardmodus vor sich hin. Über die App von Shokz kann sie schärfer oder milder gestimmt werden, was beides keinen Nutzwert hat, da Standard bereits die beste aller Optionen ist.
Was ist das Ergebnis? Man hört die Ansagen in der S-Bahn nicht mehr, obwohl die Außengeräusche irgendwie noch da sind. Sehr angenehm.
Noch viel besser. In der U9 kann man die Kopfhörer nun drauf und drauflosspielen lassen, denn das Fahrgeräusch der Schepperwagen wird sehr gut weggerechnet. Das haben selbst gute Sony-Over-Ears nicht geschafft. Über die Ringbahn muß ich nichts weiter schreiben. Da hat sich nichts geändert, da die dort fahrende Baureihe eh schon sehr gut im Fahrkomfort gedämpft ist, der Klang also jenseits von Gut und Böse.
Als Testmelodeien kamen die beiden Alben "Endlich Urlaub" von Farin Urlaub und "A Thousand Suns" von Linkin Park zum Einsatz, da sie klinisch und somit sehr präzise im Klang abgemischt sind und zuweilen mit solidem Baß aufwarten. Der ist bei vielen Tests der Kasus knackus, denn da fallen Open Ears regelmäßig ab, zieht man andere Ohrstöpsel als Vergleich heran.
Braucht man die Shokz App? Jein. Zum einen ja, da mit ihr neue Firmware auf die Kopfhörer gebeamt wird und die Geräuschunterdrückung justiert werden kann, eine Funktion, die ich nicht benötige, da Standard völlig zufriedenstellnd funktionieret. Ansonsten bietet sie nichts, was nicht auch Musicolet bietet, u.a. einen Equalizer, den ich nicht benötige. Da ich mit der Standardgeräuschunterdrückung sehr gut leben kann, benötige ich die App nicht mehr. Erst zum nächsten Firmwarewechsel, denn die Geräuschminderung kann ich über das kleine Knöppele am Ohrhörer ein- und ausschalten.
Und klanglich so? Nun, Openfit Pro sind besser als die Beyerdynamic Verio 200, die bisher die Spitzenposition innehatten (aptX Adaptive an Bord), auch wenn das auf keiner der vielen Testseiten so nachzulesen ist. Diesen Spitzenplatz, der nirgendwo verzeichnet ist, ist nun obsolet, da ein neues Klangwunder (mit nur AAC) in der Stadt ist.
Es versteht sich von selbst, daß mit 40mm-Kalotte und anderen technischen Finessen ausgestattete Weltraumfahrerkopfhörer um Längen besser sind. Schicker sind sie nicht.