18. Juli 2008

Schwierigkeiten mit Statistik

Das titelt RP-online

Statistische Bundesamt
Die Deutschen rauchen offenbar weniger

Die Franfurter Rundschau dagegen meint:

Statistisches Bundesamt
Deutsche kaufen weniger Zigaretten
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Das statistische Bundesamt hat aber lediglich mitgeteilt, daß weniger Zigaretten als in den Vorjahren versteuert worden sind. Das bedeutet genau das, was es heißt: weniger versteuert. Ob weniger gekauft wurden und ob weniger geraucht wird, das hat mit dem Steueraufkommen erst mal nichts zu tun.

Ach ja, hätte ich fast vergessen: Genmais macht rechtsradikal und dick.

Frau Pauli, Herr Heil

SPIEGEL ONLINE 18. Juli 2008, 13:52 Uhr
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,druck-566685,00.html
GROSSE KOALITION
SPD-General Heil spricht CSU "Sex-Appeal" ab

Kurz vor dem CSU-Parteitag hat SPD-Generalsekretär Heil die Christsozialen scharf angegriffen. Seit dem Abgang von Edmund Stoiber fehle diesen der "Sex-Appeal".

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Das war Gabriele Pauli, Herr Heil, nicht der Stoiber. Oder stehen sie auf ältere Männer? Kann ja sein.

Bazillen und Viren

Nürnberger Prozeß

OBERST PHILLIMORE: Ich will Ihnen einen kurzen Abschnitt über eine Besprechung zwischen dem Führer, Ribbentrop und dem ungarischen Regenten Horthy verlesen.

Es handelt sich um Dokument D-736, das von Sir David Maxwell-Fyfe dem Angeklagten Göring als GB-283 vorgelegt wurde. Es war eine Sitzung in Schloß Kießheim am Morgen des 17. April 1943, und Sie sehen, daß das Protokoll von Schmidt unterzeichnet ist.

VON STEENGRACHT: Jawohl!

OBERST PHILLIMORE: Es wurde die Judenfrage aufgeworfen:

»Der Führer erwiderte, daß daran die Juden schuld seien, die auch im Weltkrieg das Hamstern und Schieben als eines ihrer Haupttätigkeitsgebiete betrachtet hätten, genau so wie jetzt in England Verurteilungen wegen Rationierungsvergehen und dergleichen hauptsächlich Juden beträfen. – Auf die Gegenfrage Horthys, was er denn mit den Juden machen solle, nachdem er ihnen so ziemlich alle Lebensmöglichkeiten entzogen habe – erschlagen könne er sie doch nicht –, erklärte der RAM, daß die Juden entweder vernichtet oder in Konzentrationslager gebracht werden müßten. Eine andere Möglichkeit gäbe es nicht.«

Der Führer spricht dann weiter und bezeichnet sie als Tuberkulosebazillen.

Nun, wollen Sie angesichts dieses Dokuments immer noch behaupten, daß der Angeklagte von Ribbentrop gegen die Politik der Judenverfolgung und Ausrottung gewesen ist?
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Schüler-Hausarbeit

„Sie [die Juden] sind wie Tuberlukosebazillen zu behandeln, an denen sich ein gesunder Körper anstecken kann. Das ist nicht grausam, wenn man bedenkt, daß sogar unschuldige Naturgeschöpfe, wie Hasen und Rehe, getötet werden müssen, damit kein Schaden entsteht. Weshalb soll man dann die Bestien, die uns den Bolschewismus bringen wollen, mehr schonen?“
Adolf Hitler

nach: Horbach, Michael: So überlebten sie den Holocaust Zeugnisse der Menschlichkeit 1933 – 1945. Schneekluth, München, 1995, S.296
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Was machen wir nun mit den Demokratieverdrossenen?

Zensur

Lupe - der Schweizer Satireblog

Petra Pau: "Demoktratieverdruss wirkt wie Aids"

welch ein auftritt, welch eine ausstrahlung, welch eine natürliche lockerheit, welch eine frisur, welch ein augenspiel: schaut euch die videobotschaft von peter pan, sorry petra pau von "die linke" an. thema: demokratieverdruss. pau vergleicht darin unter anderem den demokratieverdruss mit aids. es wirke gleich, das immunsystem der gesellschaft werde geschwächt

wirklich ein sensibler vergleich und so gefühlvoll vorgebracht. der "die linke" täte ein pr-berater kaum schaden. insbesondere, wenn man mit so vielen, extrem lockeren videoauftritten arbeitet, wie "die linke".


Hatte ich schon erwähnt, daß ich im Zweifelsfalle für Zensur bin? Entweder im Sinne von "Note 5. Setzen!" oder "am besten gleich ganz verbieten"?

Manchmal wäre es besser, wenn die eine oder andere Meinung gar nicht erst gedacht, geschweige denn veräußert wird, und sei es für lau. Denn das ist gut für die geistige Gesundheit des Volkes.

Eines jedoch scheint nach dem Betrachten eines Videos mit ihr sicher: Die einflussreiche Politikerin der Partei "Die Linke" ist ein Riesen-Medientalent. (Ernst Corinth)

Am besten ist aber ein Kommentar auf der Original-Seite bei youtube. (selbstverständlich für diesen Blog zensiert)

EnvoTha (vor 1 Tag)

Wie immer genial.

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Anmerkung: Das Video ist dermaßen grottenschecht, daß es für dieses Blog zensiert wurde. Man möge den ersten Link zur Visualisierung klicken.

Perlen for die Säue

"Modeln ist ein wenig hirnschädigend", so Moss.

Wenn der Papst sagt, dass er ein Sünder ist wie alle Menschen, dann sagen wir: Ja, das ist unser Glaubensbruder. Das meint Putins Beichtvater Tichon.

17. Juli 2008

genau

Bush and his banana

8 years summed up in one picture

Papierkorb-Prosa

Jörg Schallenberg darf einen ganzen Papierkorb mit Doping-Prosa füllen, doch eines möchte ich klarstellen: Dopen tun die Spanier und Italiener. Nicht die Deutschen und schon gar nicht die Franzosen.

Merke, die einzigen Sportler, die ohne Stimuli auskommen, das sind die Friedfischangler. Aber darüber schreibt niemand. Gesendet wird auch nichts.

Genetik für Doofe

Da findet gerade dieser Genetik-Kongreß statt, wo die rauskriegen wollen, wie das nun mit den Genen funktioniert.

Nun ja, vielleicht fällt dabei auch eine längst überfällige wissenschaftliche Entdeckung ab, die immer noch einer Lösung harrt: Warum wachsen eigentlich die Doofen immer wieder nach?

Z.B. die Hundeschützer. Die haben doch ernsthaft rausbekommen: "Das angeblich 'duftende Fleisch' der Hunde, aber auch das der Katzen, hat keinerlei wissenschaftlich nachgewiesene Eigenschaften, die sich auf die Gesundheit des Menschen positiv auswirken."

Am schlimmsten aber ist, daß über eine Milliarde Chinesen jetzt fürchterlichen Schiß vor den deutschen Tierschützern haben. Und schissende Chinesen sind unberechenbar. Oder heißt das schießende Chinesen?

Ich bin jedenfalls nicht so bekloppt und fordere die Abschaffung der Schnitzeltiere. Dazu riecht das Fleisch in der Pfanne viel zu lecker und ist zuweilen meine tägliche Portion Vitamin C.

Die Brüder und Schwestern des Animals Asia Foundation e.V. wären jedenfalls prima Probanden für die Klärung der Frage, warum die Doofen immer wieder nachwachsen.

Henne-Ei-Problem gelöst


Die Vietnam-Szenen entstammen dem Film "Good Morning Vietnam", der dankenswerterweise dieser Tage wieder mal ausgestrahlt wurde. Der Film selbst wurde natürlich nicht in Vietnam gedreht.

Für Zartbesaitete gibt es eine schöne-Bilder-Alternative.


Entscheidend ist, daß es beide gibt, egal, wer zuerst da war.

Sicherheit

Sicherheit, im Sinne von absoluter Privatheit am PC bzw. vertrauenswürdiger Integrität in die Software, das ist schon ein schwierig Ding.

Paket-Management-Systeme unter Linux nur bedingt vertrauenswürdig!, titelt heise.

Und nun hat Bruce Schneier TrueCrypt 6.0 unter Vista untersucht und eines seiner herausragenden Merkmale, das verstecken eines verschlüsselten Containers in einem verschlüsselten Container, untersucht. Vertrauen erweckt das Ergebnis nicht. Es deutet auf viel Arbeit hin.

Linux-Betriebssysteme aller Art sind in einer ihrer Kernkomponenten anfällig bis nicht vertrauenswürdig. (Bundestrojaner, ich hier durch durch die Leitung schleichen...)

Und eine der Kernfunktionen von TrueCrypt ist dermaßen demaskiert, daß sie feststellbare Spuren hinterläßt, wo eigentlich keinerlei Spuren auftreten sollten.

Oha.

15. Juli 2008

versteh ich nicht

Beate Uhse TV

4chan

Einen Link setzen, das ist in der Spiegel-Redaktion wahrscheinlich mit Hand-Abschlagen sanktioniert oder verpönt. Oder man macht sich die Finger dabei schmutzig.

Sofern relevante Informationen nicht verlinkt sind, wie bei Christian Stöcker, ist dessen fachliche Qualifikation anzuzweifeln. Dabei ist das ganz einfach. Die Seite heißt 4chan.

14. Juli 2008

30.000 Euronen - aber geil

klickst du hier oder woanders

Atomkraft hilft

Da stimme ich ausnahmsweise mal mit dieser Frau Merkel überein.

radioaktive Zahnpasta

Klickibunti, denn Solidarität ist gefragt.

dopingfrei und Spaß dabei

Gibt es sowas überhaupt?

13. Juli 2008

Kopulierdruck - die Grenzen von Google & Co.

Ich habe mir gerade das voluminöse Kauf-das-Buch-nicht! durchgelesen und bin am Ende auf ein zutiefst männschliches Problem gestoßen. Eigentlich ist es seit Jahrtausenden bekannt, nur allen großen Suchmaschinen blieb es bisher verborgen. Das Wort Kopulierdruck ist denen vollkommen unbekannt.

Was mache ich nur falsch? Oder die?

ZDF-Peinlichkeit

Stromkostenlüge von Merkel

So kann Journalismus auch aufgefaßt werden. Obwohl es entweder eine Lüge oder einfach nur die Blödheit der Kanzlerin ist, verbreitet das ZDF weiterhin ungeniert diese Lüge.

12. Juli 2008

schade

SPIEGEL ONLINE 12. Juli 2008, 16:47 Uhr
http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/0,1518,druck-565521,00.html
SPARPROGRAMM
Glos kassiert deutsche Mondmission

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Schade aber auch. Ich hätte mir so gern gewünscht, ein paar Leute auf den Mond schießen zu dürfen.

Warnung vor dem Buche

Ich hatte vor kurzem das Vergnügen, in aller Ruhe einige Bücher verschlingen dürfen (und) zu können. Deswegen sei darüber referiert.
Die erworbene Seitenmenge sollte für einen Zeitraum von drei Wochen ausreichen, obwohl ich da meine leisen Zweifel hatte, die sich auch bestätigten. Ich hatte zu wenig Seiten gekauft und mußte im Tagesablauf etwas tricksen, um das Lesevergnügen zu strecken.

Ich verzichte auf die Verlinkung zu den einschlägig bekannten Online-Händlern, da ich nur empfehlen kann, es so wie ich zu machen, nämlich mit einem Bündel gesponsorter Banknoten mehre Buchläden aufzusuchen und selber fündig zu werden. Nebenbei hat man noch das eine oder andere interessante Gespräch und das Gefühl alles ist so, wie's früher einmal war.

Ist es nicht, denn in den Buchregalen der Händler wird inzwischen viel Altpapier gelagert. Das gab es früher kaum.

In der (nicht zufällig, sondern absichtlich gewählten) Reihenfolge des Lesens waren das.

Dr. med. Eckart von Hirschhausen
Die Leber wächst mit ihren Aufgaben
6. Auflage, April 2008
Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2008
222 Seiten

Das habe ich als letztes, unabhängig von den anderen erworben und erstmal nur zu 50% gelesen. Die zweiten 50% folgten im Anschluß an die folgenden dicken Schinken.
Als Reisezeitüberbrücker und -vertreib war es gut geeignet und ließ sich trefflich in zwei Hälften lesen. Ist letztlich nur die Verschriftlichung eines Teils seiner öffentlichen Auftritte.
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Ian Rankin als Jack Harvey
Die Kassandraverschwörung
1. Auflage, Deutsche Erstveröffentlichung Februar 2008
Wilhelm Goldmann Verlag, München
542 Seiten

Mit Ian Rankin habe ich noch nie eine Niete gezogen. Gefährlich war nur der Umstand, daß ich keine Liste bei hatte, welche Bücher von ihm ich schon gelesen hatte, da die Klappentexte immer gleich klingen.
Aber diesmal ging es um einen Terrorplot. Das kannte ich noch nicht, konnte ich also mitnehmen.

An einer Stelle des Romans habe ich mich leicht amüsiert. Der Möchtegern-Bond hatte sich im Bastelverfahren eine Abhöranlage verfertigt und heimste Lob dafür ein, daß er sogar korrekt formatierte Disketten dafür mitgebracht hat.

Also schlug ich noch einmal das Impressum nach: Die Originalausgabe erschien 1993 unter dem Titel „Witch Hunt“. Ja. 1993 war das so. Da konnte man wirklich Bewunderung erheischen, wenn man die korrekte Diskette für das korrekte Diskettenlaufwerk korrekt formatieren konnte. Und es gab wunderbare Formatierprogramme, die das letzte Magnetpartikel auf den Flatterscheiben nutzbar machten. Ach, war'n das noch Zeiten.

Im übrigen beschreibt der englische Originaltitel weitaus besser, worum es wirklich geht, um eine Hexenjagd.
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Bernhard Schlink
Der Vorleser
Diogenes Taschenbuch, 1997
Diogenes Verlag AG Zürich
207 Seiten

Da ich, wie oben schon erwähnt, bereits beim Kauf leichte Zweifel an der Reichweite des Seitenumfangs hatte, fragte ich die Verkäuferin (Typ sehr belesene studentische Aushilfe), ob nicht doch noch das eine oder andere Buch aus der Reihe spannend erzählt in den Regalen liege. Sie empfahl mir daraufhin das aktuelle Buch von Schlink. Nur aus Kostengründen lehnte ich ab, lies mir allerdings den „Vorleser“ einpacken. Und wurde nicht enttäuscht.

Ein Buch, das sich wie ein Krimi liest, aber keiner ist.

Von diesem Autoren werde ich noch weitere Bücher erwerben, so das Sponsorentum hin- und wieder zuschlägt, denn eine derart straffe und bildliche Sprache habe ich lange nicht von einem Autoren deutscher Zunge gelesen.

Von mir gibt es eine Note 1 ohne jeden Abstrich.
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Vor diesem Buche sei gewarnt. Der käufliche Erwerb kann zu Geldverschwendung führen.

Martin Walser
Ein liebender Mann
2. Auflage März 2008
Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
285 Seiten

Ich habe erst im Nachhinein von Oliver Pochers Anfrage bezüglich Martin Walser gehört: „Was macht der?“
Die Frage ist bis heute unbeantwortet*, aber erklärlich. Denn spätestens auf S. 64 hätte Walser stutzig werden müssen. Dort kleckste ihm der folgende Satz aus dem Füller, der auch die Lektorierung überstand: „In Deutschland wird ein guter Roman immer die Ausnahme bleiben.“

So ist es wohl.

Das herausragende Merkmal des Buches ist der gescheiterte Versuch, Adels- und Neusprech so zu vereinen, daß eine spannende Liebesgeschichte zwischen Goethe und Ulrike rauskommt. Das ist auf allen Seiten gründlich mißlungen. Es war das einzige Buch, das ich trotzdem qualvoll zu Ende las, immerhin hatte ich den teuren Hardcoverpreis dafür löhnen müssen.

Das Schlimmste am gesamten Buch ist jedoch der letzte Satz, sozusagen die letzte goethesche Blutwallung. Auf Seite 285 heißt es: „Als er aufwachte, hatte er sein Teil in der Hand, und das war steif. Da wusste er, von wem er geträumt hatte.“
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„Früher, als ich klein war und meine Eltern noch zusammenlebten, liefen sie morgens immer nackt vom Schlafzimmer ins Bad. Da trug mein Vater immer einen Stock vor sich her im Lendenbereich. Schon als Kleine war ich da sehr fasziniert von...
Ich wusste damals nichts von Morgenlatten... Eine lange Zeit, auch als ich schon mit Jungs gefickt habe, dachte ich, die Erektion am Morgen ist wegen mir. Das war sehr enttäuschend, als mir erklärt wurde, dass Männer das haben, um die Pisse morgens am Rauslaufen zu hindern. Eine Riesenenttäuschung war das.“

Meint auf S. 165

Charlotte Roche
Feuchtgebiete
Zehnte Auflage 2008
DuMont Buchverlag, Köln
219 Seiten

Oder, um es mit Dr. Hirschhausen zu sagen (S. 33): „Die Morgenlatte ist nicht der tiefste Ausdruck pueriler Potenz, sondern schlichtweg ein Zeichen dafür, dass die Blase voll ist... Aber weil wir Männer unseren Körper so schlecht kennen, interpretieren wir da Wunder was hinein und wollen sogleich nicht Pipi, sondern Liebe machen. Wir denken sogar, dass der Mensch neben uns für die Erektion zuständig ist. Just diejenige Frau, die wir uns gestern noch versucht haben schön zu trinken. Die Morgenlatte ist tatsächlich eine Spätfolge des Schöntrinkens... Wir verwechseln Triebabfuhr und Müllabfuhr, Brunft und Brunzen... Die Geschichte der Morgenerektion ist eine Geschichte voller Missverständnisse.“

Lieber Herr Walser, auch wenn sie vielleicht die rühmliche Ausnahme sind, aber wenn ein männlicher Erdenbürger aufwacht und sein steifes Teil in der Hand hat, ist dies ein untrügliches Zeichen dafür, schleunigst die Toilette aufzusuchen, denn dieses steife Teil zeugt nur von einer gut gefüllten Blase. So ist das eben.
Unverzeihlich blöd von ihnen. Wunschdenken.
rechtzeitig pullern gehen
Die Feuchtgebiete habe ich nur erkundet, weil Charlotte Roche wohl keine einzige Talkshow, ausgenommen das Kinderfernsehen, ausgelassen hat.
Liest sich ganz gut, aber bei 150 Seiten hätte Schluß sein können, alles andere ist Wiederholung und Betrachtung ihrer Brüste, ihres Anus und der Venus vom siebten Standpunkt aus. Sex reichen ja wohl.
Wer genügend Krankenhauserfahrung mitbringt, kennt das eh alles, hat es nur noch nie dermaßen kompakt und offenwortig nachlesen können.
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Philip Kerr
Der Pakt
Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg
Oktober 2007
510 Seiten

Auch Philip Kerr gehört zu jenen Autoren, deren Werk ich stets gierig in mich rein las, damit es mir nicht mehr genommen werden kann. Und dann gleich zwei für mich neue Bücher auf einen Schlag.

Dieser Roman behandelt weitestgehend den 2. Weltkrieg, im engeren Rahmen das Teheraner Treffen der Alliierten. Im engsten Sinne sowjetische Kriegsverbrechen.

Ein Muß für Kerr-Liebhaber.
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Henning Mankell
Kennedys Hirn
Ungekürzte Ausgabe
Februar 2008
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
© 2006 der deutschsprachigen Ausgabe
396 Seiten

Tja. Hat sich der Verlag was einfallen lassen und „Brisant und spannend wie die berühmten Wallanderfälle“ vom NDR auf den Buchdeckel gedruckt.

Brisant ist es nicht. Auch nicht so spannend wie die Wallanders.

Warum das Impressum darauf verweist, daß mir eine ungekürzte Ausgabe verkauft wurde, das erschloß sich erst beim Lesen. Straffung der Handlung, 100 Seiten weniger, und etwas mehr Realitätsbezogenheit hätten es vielleicht in den Rang von Brisanz und Spannung heben können.

Auch Mankell hat das Recht auf eine Schreibschwäche, aber davor stehen eigentlich Verlag und Lektorat, um das wegzubügeln. Dachte ich bisher.

Davon abgesehen las es sich flüssig und gut, wie von Mankell gewohnt. Ist aber kein Buch, das mich aus dem Sessel gehauen hat.
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Philip Kerr
Das Janusprojekt
1. Auflage September 2007
Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
446 Seiten

Ein neuer Gunther-Krimi. Das kann nur Sahneeis mit Früchten sein.

Auch hier das Thema 2. Weltkrieg und seine Folgen im Mittelpunkt. Gunther-Krimi eben.

Philip Kerr ist wohl der einzige Autor in deutschsprachiger Literatur, dem ein Kabinettstück der besonderen Art gelungen ist. Er hat den Typus „Privatdetektiv im faschistischen deutschen Reich“ erfunden. Das ist spannend, knackig und Alleinstellungsmerkmal für einen Literaten, der hierzulande verlegt wird.

Und zur Scham für alle Autoren deutschen Blutes sei angemerkt, daß Kerr in Edinburgh geboren wurde und ein dermaßen excellentes Deutsch schreibt, daß ein Walser vor Neid erblassen muß.

Im übrigen stinkt das Buch nach einer Fortsetzung, denn es lehnt sich vom Plot her ziemlich genau an „Das unsichtbare Visier – Kennwort 'Vergißmeinnicht'“ an. (Otto Bonhoff, Herbert Schauer, Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, 324 Seiten, EVP 8,50 Mark) Diesmal aber eher aus der Sicht eines gebeutelten westdeutschen Privatdetektivs, vermischt mit Wiesenthal-Zentrum, Mossad und CIA.

Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

Note 1 ohne Abstriche.
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Hier war mein Lesestoff 4 Tage vorfristig zur Neige gegangen. Es fand sich jedoch jemand, der mir

Carla Banks
Der Wald der toten Seelen
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2006
458 Seiten

kostenfrei übereignete. Es soll wohl sehr spannend sein. Im Gegensatz zum Mankell war hier nur ein Aufkleber auf dem Buchdeckel, den ich abgekratzt habe, da eine Doppellüge: Spitzenthriller. Weder Spitze noch Thriller und eine kleine Schlamperei in der Titelübersetzung. Das Original nennt sich „The forest of souls“.

Es geht auch hier um Verbrechen während des 2. Weltkrieges in der Sowjetunion. Das hatte ich bereits wenige Tage vorher von Kerr (2 mal) in sehr guter sprachlicher Form gelesen.

Kurz und gut, ich habe vielleicht 300 Seiten geschafft und dann aufgegeben, weiß nicht, ob es Mord oder Totschlag oder Unfall war, wie es ausging usw. Die Entsorgung des Buches war einfach, ich legte es an einen öffentlich zugänglichen Ort, damit sich noch jemand ärgert.

Und gar erschrocken war ich über die Vita der Autorin. Im Klappentext steht: Carla Banks ist Dozentin und unterrichtet Creative Writing an der Universität Sheffield.

Von Kreativität habe ich während der von mir gelesenen 300 Seiten nichts bemerkt. Vielleicht kam die ja noch. Sonst bleibt nur als Empfehlung, daß die Dozentin fleißig Philip Kerr studiert. Aus seinen Büchern könnte sie eine Menge lernen.
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Das waren rund 3100 Seiten in drei Wochen. Plus 150 nicht gelesene. Davon knapp 600 enttäuschend (Walser und Banks). Verblieben 2500 Seiten vergnüglicher Lesestoff. Sehr schön.
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* Die einzig richtige Antwort auf Pochers Frage, speziell für die Moralwächter der "Frankfurter Allgemeinen" formuliert, lautet übrigens so: Martin Walser reiht schon seit Jahren eine Unterleibsgroteske an die andere. Hier irrt Wolfgang Höbel. Im liebenden Mann ist nur der Schlußsatz grotesk, die Verwechslung von Urinier- mit Kopulierdruck. Zuweilen fällt dies zusammen, heißt dann aber Urophilie. Für den 70jährigen Goethe bezweifel ich jedoch eine solches sexuelles Verlangen.

11. Juli 2008

Die Deutschen bringen's nicht

Seit Dominik Graf nicht mehr in Politthriller macht, bringen's die Deutschen nicht mehr.

"In letzter Sekunde".
Wurde wohl dieser Tage unmittelbar nach der Tagesschau ausgestrahlt. Der Film setzte nahtlos mit deren Spannungsgehalt fort. So, wie die Durchhalteparolen der Nachrichtenredaktion mich schon vor Jahren vom Fernseher vertrieben haben, so schaffte es der Film in gerade mal 60 Sekunden. Ich hißte die weiße Fahne und gab auf, erinnerte mich noch kurz daran, daß es Zeiten gab, wo ich nach 60 Sekunden heiß drauf war, den ganzen Film zu sehen.

Lustlos agierende Schauspieler, eine nicht vorhandene Dramaturgie, sowie langweilige Bilder sorgten dafür, daß ich die DVD im schnellsten Tempo abspulen ließ.

Was ich dabei mitbekam, reduziert sich auf: Es werden die gängigen Schäubleschen Alpträume, also Klischees und Vorurteile, mit filmischen Mitteln dargestellt.

Es ist selten, daß ich fast einen Film gesehen hätte dessen herausragendes Merkmal die vollkommene Abwesenheit von Filmkunst ist. Gottlob, ich hab ihn nicht gesehen.

Wenn ich mal einen Blick in die Bücher werfen könnte, es würde mich nicht wundern, wenn 95% der Finanzierung aus dem Innenminsterium zugeschustert wurden. So sah der Film jedenfalls aus.

Wenn überhaupt, dann scheint mir momentan nur Matti Geschonneck das Vermögen zu haben, einen deutschen Politthriller zu regieren. So ihm ein vernünftiges Drehbuch angeboten wird. Eines, das nicht dem Innenministerium entflogen ist.