5. Juli 2012

Was stimmt hier nicht?

zeit.de 05.07.2012 - 10:36 Uhr
SIGMAR GABRIEL

Ein Oppositionschef macht Baby-Pause

VON Michael Schlieben

Der SPD-Vorsitzende Gabriel macht drei Monate Pause, um sich um seine Tochter zu kümmern.


Die Auflösung ist trivial. Schaut mal in den politischen Kalender für die nächsten Monate rein, was dort auf der Tagesordnung steht.

Schön, wenn die Babypause mit den Anstrengungen im Sommerloch kompatibel gemacht werden kann.

4. Juli 2012

NSU: Arbeite auch du!

Der NSU-Chefermittler des Blogs ist erfreut, wieder in die Dienste der Anmerkung eingetreten sein zu dürfen und legt sein erstes Rechercheergebnis vor.

SPIPEGEL-ONLINE 04. Juli 2012, 19:56 Uhr
Aufklärung der Neonazi-Morde

Zwickauer Terrortrio arbeitete nicht für Verfassungsschutz

Von Veit Medick


Die FAZ variiert dies bei Unterschlagung des Terrors zur Schlagzeile

Zwickauer Trio arbeitete Verfassungsschutz nicht zu.

Die Welt sieht den Verfassungsschutz entlastet.

Akten entlasten den Verfassungsschutz

usw. usf.

Ich hab mich mal mit dem Jochen kurzgeschlossen. Der hat nur kurz gelacht und meinte, das das überhaupt nicht die Frage ist, ob die NSU oder in ihr V-Leute waren. Solchen Schrott können nur Aktengläubige als Weisheit letzter Schluß betrachten. Also Deutsche.

Die Frage muß genau andersrum gestellt und untersucht werden. Im Sinne der Terrorpropagandisten aus Hamburg schriebe sich das ungefähr so:

Arbeitete der Verfassungsschutz für Zwickauer Terrorzelle?

Die geheimdienstlich praktikabelste Lösung war jedoch eine ganz andere, wie mir Jochen unter der Hand verriet. Erstens wird längst nicht alles in Akten erfaßt, und wenn ja, dann nicht zwingend alles nahe an der Wahrheit entlang, da viele Akten, so sie einmal angelegt werden oder sind, auch den Vorgesetzten gefallen müssen, da sie in das Fach Beamtenlyrik fallen.

Die Frage lautet also, ob die drei auch ohne Aktenlage von Geheimdienstagenten beeinflußt und abgeschöpft werden konnten?

Jochen hat mir seine rein persönliche Meinung dazu verraten. Die werde ich allerdings nicht im Blog verakten.

Muselmänner fordern Recht auf Kindesmißhandlung

liest du hier

NSU: Chefredakteur rehabilitiert NSU-Chefrechercheur

In ihrer heutigen Dringlichkeissitzung hat die Chefredaktion des Blogs einstimmig, also mit einer Stimme, beschlossen, den früheren Chefrechercheur zum Themengebiet NSU zu rehabilitieren.

Nach Aussagen des renomierten und weltweit geachteten Internetportals "Zeit Online" soll die NSU ein Produkt des Verfassungsschutzes sein, ganz ganz viele Kleinunternehkmer (Die Zeit) ermordet haben und in Form der Hauptverdächtigen Zschäpe (Die Zeit) im Gefängnis sitzen.

Ich trau mich gar nicht, diese schützenswerte Leistung zu zitieren, so hanebüchen ist das im Original formuliert.

... Akten zur "Operation Rennsteig" vernichtet. Dabei handelte es sich um eine Zusammenarbeit des Verfassungsschutzes mit der rechtsextremen Gruppe "Thüringer Heimatschutz", aus der der NSU hervorgegangen sein soll.

... Als Hauptverdächtige sitzt derzeit Beate Zschäpe in Haft.


Unklar ist nach Konsumtion des Artikels, ob

a) die Akten eine Zusammenarbeit ... waren oder
b) deren Vernichtung in Zusammenarbeit von ... erfolgte.

Ebenso unklar ist, weil es im Artikel nicht belegt wird, wieso Frau Zschäpe die Hauptverdächtige der Morde ist, wo doch kurz zuvor behauptet wurde, ein Verfassungsschützer hätte sich in die Morde verstrickt.

Weil die Dinge nun doch so sind, wie früher hier im Blog behauptet, wurde der NSU-Chefrechercheur wieder eingestellt.

messerscharf geschossen

Polizei erschießt mit Messer bewaffneten Mann

titelt es uns in der heutigen Welt entgegen, was wir gestern nur aus James-Bond-Filmen kannten. 007 durfte Spielzeuge wie schießende Messer benutzen.

So verwundert dann auch nicht, daß ein anderes Überschriftenmagazin Piloten findet, wo Leichen aufzufinden waren.

SPIEGEL-ONLINE 04. Juli 2012, 16:03 Uhr
Türkei

Piloten von abgeschossenem Jet gefunden


Sei es, wie es der Spiegel meldet, dann können sie ja endlich die Urheber des Malheurs höchstselbst zu dem Flugzeugabschuß befragen, wenn sie sie schon mal gefunden haben.

Ein drittes Überschriftenmagazin wechselt die Anmacher aus wie ein Lustmadel das Neglige. Kundenspezifisch.

In einer vorherigen Version dieses Artikel lautete die Überschrift "Verfassungsschützer soll hinter NSU-Mord stecken". Wir haben dies geändert, um den Sachverhalt präziser zu beschreiben. Die Redaktion

Die präzisere Beschreibung vernebelt das Ganze, beschreibt es etwas unschärfer, aber immer noch präzise genug.

Verfassungsschützer könnte in NSU-Mord verwickelt sein

Womit wir wieder am Ausgangspunkt wären. Verfassungsbeschmutzer morden Nazis. Oder sowas in der Art.

NSU: Drohungen mit heißer Luft

Texte, die der Titanic entsprungen sein könnten, bei einer zweiten Sichtung jedoch nur von der Feder der staatlichen Nachrichtenagentur abtropften.

SPIEGEL-ONLINE 04. Juli 2012, 08:27 Uhr
NSU-Affäre

Grünen-Chefin Roth droht Verfassungsschutz mit Aus

fdi/dapd/dpa


vgl. dazu: Chefredakteur des Blogs feuert NSU-Rechercheur

3. Juli 2012

NSU: Vertrauen zerstört - Chefrechercheur muß gehen

Der Sicherheits- und Zensurbeauftragte des Blogs hat nach eingehender Beratung beschlossen, den Chefrechercheur und -schreiber in Sachen NSU und artverandte Verschwörungstheorien zu entlassen. Nach ausgehender Beratung eigentlich auch, fällt mir gerade ein.

Nachdem bekannt geworden ist, daß die sogenannte Zwickauer Zelle ein schnödes bankräuberndes Mörderduett im Trio war, das seine Restbestände per brandstiftendem Fanal ins Gefängnis bzw. die Asservatenkammer rettete, nachdem all dies ans Tageslicht kam und eine geheimdienstliche Verbindung ausgeschlossen werden kann, da die noch vorhandenen Akten einen solchen Schluß nicht zulassen, wurde der Rechercheur zur Rede gestellt.

Da er weiter auf der von ihm konstruierten Verschwörungstheorie beharrt, statt den hart recherchierten Fakten von Leyendecker und Freunden zu vertrauen, hat die Chefredaktion die Konsequenzen gezogen. Der Schwindelschreiber, der eigentlich Aufklärung in die undurchsichtigen Vorgänge der NSU bringen sollte, hat das Vertrauen zerstört (Die Welt u.a.), das sich die Leser des Blogs aufgebaut hatten. Der Filou muß seinen Hut nehmen (dpa-info.com GmbH), den er gar nicht hat. Egal. Nehmen muß er ihn trotzdem.

Wie lautet die richtige Antwort?

Eine Dame platziert ihren Hund vor der gläsernen Haustür.

Platz!

Der Hund macht keinerlei Anstalten, zu platzen.

Platz, hab ich gesagt.

Hündchen nahm mit der Geschwindigkeit und Eleganz einer ältere Herrschaften Gymnastik Platz.

Frauchen ging zur Müllstandfläche, ja, so ist die korrekte Kurzbezeichnung, die längere lautet Müllstandfläche für die Bewohner...

Frauchen kam zurück.

Was habe ich eben gesagt?

Hundchen schaut sie mit fragenden Augen an.

Deswegen, auch im Namen dieses kleinen Tiererforschungsblogs, die heutigen Preisfragen.

1. Was hat Frauchen ebend gesagt?

2. Wie lautet, aus der Sicht von Hundchen, an den die Frage gerichtet war, die korrekte Antwort darauf?

komplexe Antworten auf einfache Fragen

Der Bürger ist es leid, stets die gleiche Leier von den Politikern dargeboten zu bekommen. Er ist es leid, daß ihm andere das Leben und denken abnehmen, sein Leben für ihn leben.

Der Bürger will teilhaben an den komplizierten Geschäften der Politik, der Volkswirtschaft, der Ausgestaltung der kapitalistischen Demokratie. Er will seinen Beitrag leisten, wenn es um die Erhöhung der Komplexität gesellschaftlichen Handelns zum Wohle des deutschen Volkes geht.

Da, wo einfache Fragen gestellt werden, sind komplexe Antworten gefordert, Antworten, die die bürgerschaftlichen Synapsen wieder im Dienste des Gemeinwohls klappern lassen.

So wundert es dann nicht, daß es die Sueddeutsche ist, die Zeitung für den tagespolitisch engagierten Feingeist, die in die Qualitätsoffensive geht und schon mal anfängt mit den komplexen Antworten auf einfache Fragen.

Es gibt böse Menschen auf der Welt, und um diese davon abzuhalten, dass sie einem wehtun, muss man sich schützen. Dies ist die komplexe Antwort.

Weiter so, werte Sueddeutsche, das sind die knobelkniffligen Probleme, die wir gerne täglich wälzen würden.

2. Juli 2012

verrottende Orte X und Schluß



Dem begeisterten Fachpublikum, das sich mit großem Interesse der Fotoausstellung "Verrottende Orte" zuwandte, sei die betrübliche Mitteilung gemacht, daß wir uns heute dem Ende nähern. Die Karawane zieht weiter.

Der Großmeister (Spiegel) begeisterter Urlaubsfotografie hielt seine Kamera ausnahmsweise mal da drauf, wo der deutsche Urlauber für gewöhnlich seinen Rücken hindreht und die Großmeister der streetview-Fotografie ihre Fotoaugen gänzlich zudrücken, auf das Elend hinter der ersten Reihe, die verkommenen Hütten am Rand vom Strand.



Wer trotzdem die Absicht hat, sein Glück in der Fremde zu suchen, dem kann geholfen werden. Der Vermieter lädt zur Verhandlung.



Teil 1 mit der überaus lobenswerten Besprechung der Fotoausstellung
Teil 2 zeigt die friedlichen Hinterhöfe
Teil 3 zeigt die Räume
Teil 4 zeigt eine Dreckecke, wirklich nur eine
Teil 5 brilliert mit einer Kunstinstallation, dem Strandklo
Teil 6 widmet sich dem Thema "alles ohne Strom"
Teil 7 zeigt das von der Spiegel-Kolumnistin gerühmte Verkehrsschild
Teil 8 erklärt das Elend der großen Blendenöffnung
Teil 9 zeigt Eigenheime in zweiter Reihe am Strand

1. Juli 2012

deutscher Gehorsam

Hal Faber hat uns einen denkwürdigen Merksatz hinterlassen.

Keiner der hochbezahlten Löwe-Bubis hat den Treiner bei dieser Aufstellung gefragt, ob er noch alle Tassen im Schrank hat. In Deutschland wird Gehorsam groß geschrieben.

Ebenfalls lesenswert jene Passage über die Angst der Trainer, zu verlieren, die sich mit der Usedomina und ihrem Sklaven beschäftigt.

29. Juni 2012

Jogi ist schuld

Ja, es steht so da. Nein, er hat sie nicht, er ist es. Meinen 70.000.

Jogi ist schuld.

das Leiden Deutschlands

Weite Teile Deutschlands litten am Freitag unter schweren Unwettern.

Ohje. Die armen Teile.

Löw's Zugabe

Soso. Nun hat er also gestanden und sich in allen Anklagepunkten schuldig bekannt. Nehmen wir's als kleine Zugabe zur EM.

welt.de 17:09
EM-Fazit

Bundestrainer Löw gibt Fehler gegen Italien zu

-----
DFB fliegt EM-Verlierer in Lear-Jets nach Hause (Quelle)

Wenn man es genau nimmt, dann sind es ja wohl Versager. Oder?

DFB verzichtet aus Protest auf Finale

Ja, so habe ich es abgeschrieben. Man verzichtet nicht auf das Finale, sondern auf Finale. Klingt wie Fanal. Ist vielleicht auch eines.

Doch nun zum Kern der Sache.

Der DFB-Kader will ein Zeichen gegen die Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine setzen und boykottiert das Finale in Kiew.

So, nun zu etwas ganz anderem. Auf Welt-Online wird die Schuld an dem Debakel Löw in die Schuhe geschrieben, denn es trägt seine Handschrift, auf daß Ballack endlich die Chance sein Lebens erhält und kräftig nachtreten darf, denn nun, so Ballack, stehe Löw heftigst unter Rechtfertigungsdruck. Für was auch immer.

Große Diskussionsrunde mit BILD und Co.!

Ist Jogi Löw schuld am EM-Aus?
-----
SPIEGEL ONLINE 29. Juni 2012, 11:05 Uhr
EM-Aus gegen Italien

Verzockt

Aus Warschau berichten Peter Ahrens und Rafael Buschmann

Der Bundestrainer steht als Verlierer da.


Löw schuldet dem deutschen Volk eine Erklärung für sein Versagen.

28. Juni 2012

Scheitert es am Können?

Eigentlich können sie's ja. Aber... Scheitert es womöglich genau daran?

Verkauf von Alkohol soll eingeschränkt werden

Die Chefredaktion des Blogs ist immer dann hocherfreut, wenn sich in ihrem Fach bewährte Journalisten mit Gastbeiträgen zu Wort melden, mit jenen Texten, die sie woanders nicht loswerden. Hier im Blog finden die in den großen Redaktionen verkannten Genies ihre Schreibnische.

Heute hat uns Martina Janning ihre Gedanken zu der Deutschen liebster Droge aufgeschrieben. Selbstverständlich bei einem Glaserl Wein ausgedacht. Oder auch zweien.

Schluss mit dem freien Alkoholkonsum: Nordhäuser Doppelkorn, Blauer Würger, Jägermeister Urwaldrettungsbier gibt es bald nur noch in kleinen Mengen im Freiverkauf. Denn bei übermässigem oder falschem Gebrauch können diese Alkoholika schwere Nebenwirkungen haben.

Ein Schluckerl noch nach der Party, bei Stechen im Knie oder vor einem Marathonlauf: Alkoholika werden häufig schon bei leichtem Unwohlsein und vorbeugend eingenommen. Fachleute besorgt das. Sie warnen: Konsumenten unterschätzen oftmals die Gefahren bei zu häufigem Gebrauch und viele gehen davon aus, dass die frei erwerbbaren Alkoholika unschädlich sind. Deshalb drängt die zuständige Behörde, das Bundesinstitut darauf, den Zugang zu freiverkäuflichen Alkoholika zu beschränken. Betroffen sind alle Wirkstoffmengen, egal ob 5 Prozent Alkoholgehalt oder 50. Alkohol soll es nur noch in kleinen Packungen geben, deren Dosis maximal für einen Abend reicht. Dem hat der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht im Bfarm zugestimmt. Es ist davon auszugehen, dass das Bundes­gesund­heits­ministerium dieser Empfehlung folgt. In Zukunft werden Verbraucher somit nur noch kleine Packungsgrößen Alkoholika frei kaufen können.

Durch das Begrenzen der Packungsgrößen will das Bfarm die Sicherheit für Verbraucher erhöhen. Denn die gebräuchlichsten Alkoholika wie Schnaps, Bier und Wein können die Nieren und Leber schädigen und Blutungen in Magen und Darm verursachen. Zu hoch dosiert sind sogar tödliche Vergiftungen möglich.

Oft überschreiten Konsumenten die tägliche Höchstdosis, ohne es zu merken. Dies kann zum Beispiel durch Kombinationstrinkerei passieren, wenn jemand außer einem Bier auch noch zwei drei Glaserl Wein zusätzlich für's Wohlbefinden trinkt.

Ein Sprecher der Behörde räumt allerdings ein, dass es einfach sei, sich durch Supermarkthopping größere Mengen Alkoholika zu besorgen.

Die Schnapsindustrie lehnt die Kleinpackungen bei Alkoholika ab. Der Bundes­verband der Alkoholhersteller sieht "keinen sachlichen" Grund, Groß­packungen abzuschaffen. Die Deutschen gingen "sehr verant­wor­tungs­voll" mit Alkohol um, heißt es in einem Verbandspapier.

27. Juni 2012

alle Stasi, außer Hitler



Seit nunmehr 67 Jahren befleißigen sich die Deutschen der Geschichtsklitterung. Oder gar noch länger. Zählen auch des glorreichen Kaisers verlorene Schlachten zu geklittetem Geschichtswerk? Wir wissen nicht, ob des Kaisers Bart auf die Größe vom Schnäuzerle des Führers beschnitten wurde. Was wir definitiv wissen, ist das, was die staatliche Propagandapostille aus Hamburg herausposaunt hat.

Die NSU-Terroristen hatten schon 1998 einen Supermarkt überfallen, schreiben sie ab und auf.

Es seien zwei Schüsse abgefeuert worden, dem "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) habe die Tat durch später gefundene Patronenhülsen zugeordnet werden können.

Ja, so steht es wirklich auf den Seiten der geschichstkritischen Kriminalzeitschrift. Supermarkträuber werden rückwirkend zu Terroristen erklärt, da erst später aufgefundene Patronenhülsen den Zusammenhang zum Terrorismus erkennen ließen.

Ja, und warum hat man dann nicht zugegriffen? Später? Als die Patronenhülsen dem Terrorismus zugeordnet waren?

Heilige Einfalt, heileige Vorhaut, möchte man da im Sinne der Monthy Pythons ausrufen. Die Vorhaut ist uns dermaßen heilig, daß man am besten ganz auf sie verzichtet, woraufhin drüber gerichtet und der Rest im Netz gedichtet wird.

Sorgen wir zumindest in diesem Blog, der sich der Geschichte und den Geschichten verpflichtet fühlt, sorgen wir ein für alle mal für Klarstellung. Auch die Christen? Auch die Christen huldigen und verehren die abgeschnittene Vorhaut. Das kommt oft vor.

Sei dies dem geschichtlichen Vergessen entrissen, so sei anderes der historischen Kloake übereignet.

Die geschichtspädagogische Zeitschrift aus Hamburg beschwert sich darüber, daß viele Schüler erschreckend wenig über die deutsche Geschichte wissen.

Damit bin ich bereits beim Thema. Wo kann man schon solche schöne Sätze lesen? Nur da, wo Geschichte zu Geschichten umgedichtet wird. Im Spiegel. Und Focus.

Das Problem mit euch Amis ist nämlich, dass ihr euch einbildet, ihr hättet den Krieg gewonnen, wo doch jeder weiß, dass es die Russen waren. Ohne euch und die Engländer hätten sie vielleicht länger gebraucht, um uns zu besiegen. Aber besiegt hätten sie uns. (S. 293)

Irrtum. Auch im Spiegel. Auch im Focus. Konkret aber in einer der dicksten Geschichtsklitterungen der letzten Jahre.

Für Bernie Gunther sieht es wieder mal nicht gut aus. Aufgefischt bei Guantanamo, als er aus dem vorrevolutionärem Cuba entfleuchen wollte, wird er nach Deutschland expediert, um den Amis etwas unter die Arme zu greifen. Sie interessieren sich für ein paar Kriegsverbrecher, über die Gunther möglicherweise Details weiß, die den Unterschied zwischen Hanfseil oder lebenslänglicher staatlicher Fürsorgepflicht ausmachen.

Außerdem weiß Gunther, der in den 30ern als Kriminaler in Berlin tätig war eine Menge über den Fall Mielke. Noch viel mehr weiß Gunther aber darüber, warum Mielke den Krieg überlebte. Und genau das interessiert die Amis am meisten. Gunther wiederum hat nur noch Interesse daran, Elisabeth zurück zu erobern. Was das wiederum mit Milke zu tun hat? Ich weiß es.

Es ist der dritte Roman mit Bernie Gunther aus der Nachkriegszeit. Eine Schreibklasse Schwäche als die vorangegangenen. Das sich der Autor aber keinen Deut um Geschichte, sondern nur um seine Geschichten schert, sie ihm das verziehen, denn es liest sich allemal noch zehmal spannender als die in edles Leder gebundene Jahresausgabe des Spiegel.

Nur jener Teil, der die Geschehnisse rund um das Heimkehrerlager Friedland beschreibt, jener Teil ist in "Das unsichtbare Visier" spannender und ausführlicher behandelt worden. Nicht desto trotz von Kerr identisch mit der in der DDR geltenden literarischen und filmischen Fassung, einschließlich der in Kriegsverbrechersuche glücklos agierenden Franzosen.

Ganz im gegenteiligen pädagogischen Sinne führender deutsche Magazine rufe ich also aus:

Hitler oder Mielke? Mir doch egal!

Hauptsache spannend erzählt.

Philip Kerr
Mission Walhalla
1. Auflage, Juli 2011
Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
542 Seiten

26. Juni 2012

Teppichluder kommt straffrei davon

Ich lese gerade in einem unbedeutenden Ticker, das Teppichluder komme straffrei aus der Sache raus, da es keinerlei verdacht gäbe. Für was auch immer.

25. Juni 2012

wie doof sie wirklich sind

Wer mal wissen möchte, wie doof sie wirklich sind, der muß nur Überschrift und Einleitung lesen. Da weißt du, wie doof alle Involvierten sind. Die, über die geschrieben wird, und die, die das aufgeschreiben haben.

SPIEGEL-ONLINE 25. Juni 2012, 22:29 Uhr
Abgeschossener Kampfjet vor Syrien

Türkei erwägt Ausrufung des Nato-Bündnisfalls

Vize-Ministerpräsident Arinc: "Wir haben nicht die Absicht gegen irgendjemanden in den Krieg zu ziehen."


Wenn ich gut drauf wäre, würde ich sagen, die sollen den Schnabel halten, Syrien hat denen die Entsorgungskosten für 'ne Schrottmühle erspart.

Wenn ich schlecht drauf wäre, würde ich behaupten, sie wollen nichts sehnlicher als diesen Krieg, trauen sich aber nicht, zumal Rußland sehr deutlich zu verstehen gab, daß noch so'ne Nummer wie mit Libyen diesmal nicht drin ist.

Na schön, auf einen Versuch kann man es ja mal ankommen lassen. NATO-Bündnisfall wegen eines Flugzeuges. In der Kriegsgeschichte gab es nur wenig Gründe, die noch doofer waren. Und ebenfalls nur wenige, die dreister daher kamen.